Unser Stellplatz entpuppt sich doch nicht als so geeignet wie wir dachten, da wir von der Hauptstrasse aus trotzdem zu sehen sind. Ach, was solls, jetzt ist eh bald dunkel und dann sieht uns niemand mehr. Kaum haben wir das gesagt, faehrt neben uns ein Auto Richtung Steinbruch runter. Noch denken wir uns nicht viel dabei, als er dann aber beim Rueckweg auf der Hauptstrasse wendet und uns gute 2 Min. im Scheinwerferlicht “belaeuchtet”, werden wir skeptisch. Das Licht geht aus, aber das Auto faehrt nicht weg. “Zum Glueck habe ich vorne das Nummernschild mit einem Lappen abgedeckt. Die denken sicher, wir sind Einheimische”, sage ich zu Kat. Kurz darauf haelt ein Wagen bei ihnen, ein paar Worte werden gewechselt und schon verschwindet die Karre wieder im Dunkeln. Unsere Freunde stehen aber immer noch unbelaeuchtet in der Gegend rum. Schon folgt der naechste Wagen und haelt wieder bei ihnen an. Im Gegenlicht der Autos sehen wir, wie ein paar Leute aussteigen, dann ist wieder stockdunkel. Ploetzlich erkennen wir, wie sich jemand mit abgedunkelten Taschenlampen naehert. ”Jetzt muessen wir abhauen”, ruft mir Katja zu, waehrend sie schon hinten ins Auto springt, um alles startklar zu machen. Da der Beifahrersitz (vollgestopft mit Muell, PET-Flaschen, etc.) ist, bleibt sie gleich hintendrin. Ich hechte waehrenddessen unters Auto, entferne die Steine unter den Hinterraedern und sitze nach wenigen Sekunden schon startbereit vorne im Cockpit. Pfefferspray und Nahkampfmesser in der Fahrertuere, das Beil nebendran auf dem Beifahrersitz. Wenns sein muss, wir sind auch keine Schaefchen! Scheinwerfer an und mit einem riesen Satz schiessen wir die steile Rampe runter Richtung Hauptstrasse. Aus dem Augenwinkel erkenne ich sofort den Mann, in der “Policia Municipal Uniform”, der geduckt am Wegesrand kniet. Ich trete voll in die Bremse, drehe mich erleichtert zu Katja um und rufe nach hinten: “Wir haben Glueck gehabt, es ist die Polizei”. Als ich wieder nach vorne schaue, bricht die Hoelle ueber uns herein. Unmittelbar vor uns stehen 3 peruanische Cops in voller Kampfmontur, mit kugelsicheren Westen und zielen mit ihren Pumpguns durch die Windschutzscheibe auf uns. Ein unglaubliches Geschrei geht draussen los, jeder bruellt wild durcheinander. Instinktiv nehme ich die Haende vom Lenkrad, strecke sie in die Hoehe und steige ganz langsam, fast im Zeitlupentempo aus. Immer noch schreien die Cops wild durcheinander, so dass ich kein Wort verstehen kann. “Wir sind Touristen, wir sind Touristen, nur ruhig señores, tranquillo, tranquillo, ruhig, ruhig”, schreie ich immer wieder in ihre Richtung. Sie schreien, ich schreie. Ploetzlich hoere ich wie einer der total ueberforderten Cops, seine Pumpgun durchlaedt. Verdammte Scheisse, ihr koennt uns doch nicht einfach abknallen, wir sind doch nur Touristen, geht es mir durch den Kopf. Wie in Trance stehe ich mit weit ausgebreiteten Armen vors Auto, um ihnen zu zeigen, dass ich unbewaffnet und ungefaehrlich bin. Genau diese Reaktion haben sie gewollt. Geblendet vom Scheinwerferlicht, konnten sie mich neben dem Auto nicht erkennen, deshalb waren sie so nervoes. “Ich gehe jetzt zurueck und schalte das Licht aus.” Waehrend ich diesen Satz immer wieder wiederhole, schleiche ich rueckwaerts, mit erhobenen Armen zurueck, um die Scheinwerfer auszuschalten. Die Situation scheint sich ein bisschen zu beruhigen. Shit, Katja ist ja noch hintendrin. “Alles OK Kat, mach dir keine Sorgen”, rufe ich ihr zu. Schlagartig sind die Waffen wieder im Anschlag. “Wer ist im Auto, wer ist hinten alles im Auto?”, bruellen sie mir zu. “Meine Frau, meine Frau ist hintendrin.” (Nein, wir haben nicht heimlich geheiratet, ich weiss nur nicht, was Freundin auf spanisch heisst.) “Wer ist sonst noch im Auto?”, schreien sie immer wieder. “Nur meine Frau, es ist nur 1 Person hintendrin. Ich werde jetzt langsam die Tuere oeffnen und sie kommt raus.” Wieder hoere ich von den Bullen nur ein wildes, fast histerisches Geschrei. Als ich mich umdrehe, um die Tuere zu oeffnen, schaue ich direkt in den Lauf einer Kalaschnikow. Ein weiterer Polizist hat sich von hinten ans Auto geschlichen, um seinen Kollegen Rueckendeckung zu geben. “Katja, ich mache jetzt die Tuere auf und du kommst ganz langsam, mit erhobenen Haenden raus. Mach um Gottes Willen keine schnelle Bewegung, bleib ganz ruhig, wir haben alles unter Kontrolle”, schreie ich ihr durch die geschlossene Tuere zu. Das Erste, was Katja dann sieht, sind 4 Polizisten, die mit ihren Gewehren im Anschlag auf sie zielen. Was fuer ein Schock, nachdem sie die ganze Zeit hinten im total dunklen Auto sass und nur unser histerisches Geschrei gehoert hat. Meine Kleine zittert am ganzen Koerper und steht total unter Schock. “Es ist alles OK Katja, alles kommt gut, mach dir keine Sorgen. Wir sind in Sicherheit”. Ein kurzer Blick der Cops hinten ins Auto, und urploetzlich sind sie lammfromm. Fuersorglich kuemmern sie sich um Katja, erklaeren ihr, dass alles nur ein Missverstaendnis sei, und sie keine Angst mehr haben muss. Wir zwei haben das Gefuehl, dass die Polizisten noch mehr erleichtert sind als wir, dass sich diese heikle Situation in so etwas harmloses gewandelt hat. Waehrend der obligaten Passkontrolle (unsere Kopien), zeige ich ihnen den Zettel von unserem Freund Ricardo, dessen Freund Usto, per Zufall, Chef des Nachbarpolizeiposten ist. Ein Blick auf den Wisch, ein Laecheln der Cops, und schon ist alles in bester Ordnung. “Wenn ihr Freunde von Usto seid, ist ja alles gut. Hier koennt ihr aber nicht bleiben, ist viel zu gefaehrlich. Folgt uns auf den Posten, dort koennt ihr ruhig und sicher schlafen.”
Als wir das Auto beim Polizeiposten geparkt haben, kommt der Postenchef zu uns und entschuldigt sich nochmals fuer das Verhalten seiner Jungs. “Sie haben ja nur ihren Job gemacht”, antworten wir verstaendnisvoll. Geruehrt von unserer Geste, schuettelt er uns die Haende und klopft uns freundschaftlich auf die Schultern. Zum Glueck hat keiner von denen die Nerven verloren, gehts mir immer wieder durch den Kopf. Zurueck im Auto schaut mich dann Kat rotzfrech an und sagt ganz cool: “Ich haette eigentlich ja nicht weinen muessen, habe mir aber gedacht, ein paar Traenen koennten in dieser Situation sicher nuetzlich sein… und falls du deinen Pass suchst, den habe ich waehrend dem Geschrei schoen in meinem Strumpf versteckt”. So abgebrueht muss man erst mal sein!!!!!
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Also, macht mal Pause, geht was trinken, es geht noch weiter. Waere ja nichts, wenn das schon die ganze Story waere. ........................................................................................................................................
Unglaublich, aber Kat hat trotz diesem Erlebnis schon nach ein paar Minuten geschlafen wie ein Murmeltier. Bei mir setzt der Schock erst jetzt ein. Die ganze Nacht geht mir immer wieder durch den Kopf. Was waere passiert, wenn die Jungs die Nerven verloren haetten? Morgens, ca. um halb sechs, hoeren wir wie draussen ein Bus anhaelt und der Chauffeur mit den Polizisten spricht. Ploetzlich haeult der Motor auf und der Bus rast weiter. Schon klopft es an unserer Tuere. “Wenn ihr noch ueber die Bruecke Richtung Cusco wollt, muesst ihr sofort losfahren, die ist ungefaehr noch eine Stunde offen, dann wird sie wieder gesperrt.” Wir springen auf, und schon wenig spaeter rasen wir das Tal hinunter Richtung Bruecke… und mittenrein ins naechste Elend. Der Bus von vorhin hatte auf der steilen Strasse ein Bremsversagen und ist in einer Kurve geradeaus, fast senkrecht, in ein Flussbeet gestuerzt. Einige der Leute sind noch am hochklettern, andere haben sich schon an den Strassenrand gesetzt und starren kopfschuettelnd ins Leere. Wir erkennen zwei Polizisten von gestern Abend, die von der Bewachung der Bruecke abgezogen wurden und sofort zum Unfallort gerast sind. “Koennen wir euch irgendwie helfen?” “Nein, wir haben alles schon gemacht, und den Leuten, die noch im Bus sind, denen kann niemand mehr helfen”, antworten sie sichtlich mitgenommen. “Hay alguin muerto (Tote)?”, fragt Kat mit Traenen in den Augen. “Sí”, antwortete der Polizist knapp. “Aber fahrt ihr jetzt sofort weiter, wir hoffen nur, ihr kommt noch ueber die Bruecke.” Obwohl wir niemanden in dem Bus kannten, geht uns das Ganze extrem nah, und wir muessen uns zusammen nehmen, unsere Gefuehle zu unterdruecken und weiterzufahren. Uns bleibt auch keine Zeit zum TRAUERN. Schon sehen wir unzaehlige, wartende Autos und Busse, die vor einer wunderschoen, brennenden Holzbruecke stehen. Fuck, hoert die Scheisse denn nie mehr auf!?!? Vorsichtig naehern wir uns dem Szenario. Aber der erste Bus steht schon auf der Bruecke, hat irgendwie das Feuer geloescht und schiesst ueber das verkohlte Ding rueber. Der naechste Wagen gleich hinterher. Dann passierts, als ein grosser Ueberlandbus ueber die Planken faehrt bricht er ein und bleibt stecken. Doch irgendwie solidarisieren sich alle und mit vereinten Kraeften gelingt es uns, den Bus ueber die Bruecke zu bringen. Wir packen beide mit an und tun unser Moeglichstes, um den Einheimischen zu zeigen, dass wir auch dazu gehoeren - und nicht nur bloede Touristen sind, die bloss rumstehen. Als wir dann dran sind, kommen ein paar Jungs gerannt und reissen die restlichen Planken raus, so dass wir keine Chance mehr haben rueberzufahren. “Ihr verdammten Bastarde”, schreie ich rueber. Mach Platz Kat, ich hole jetzt mein Beil und spalte dem Erstbesten dieser ******* den Schaedel”. Ich war so stinksauer, ich haette es sogar getan!!! Wir haben all den Leuten ueber die kaputte Bruecke geholfen, haben Bretter fuer die anderen Fahrzeuge geholt, und nun das. Kurz vorm ausrasten, sehe ich die Jungs zurueck kommen, jeder ein schoenes, langes Holzbrett unter dem Arm. “Wenn ihr rueber wollt, 10 Soles (ca.3.50)”, rufen sie uns zu. “OK”, rufen wir zurueck. Nach wenigen Minuten koennen wir ueber die duennen Bretter auf die andere Seite fahren. Nochmals wuerde ich das aber nicht mehr wagen. War schon ziemlich waghalsig, ueber das verkohlte Teil zu manoeverieren. Aber alles hat geklappt und das ist die Hauptsache. Spaeter erfahren wir dann, dass kurz nach uns, die Bruecke wieder angezuendet wurde. Also haben wir trotz allem Glueck gehabt… Aber die letzten 14 Stunden waren sogar fuer uns ein bisschen zuviel!