04.06.2009

Amazonas - Puno (Peru)

Erleichtert, dass wir unser Dschungelabenteuer heil und gesund ueberstanden haben, steuern wir Rusty gemuetlich im zweiten Gang, die 3600 Hoehenmeter wieder Richtung La Paz rauf. Nach dem Dschungeltrip wollen wirs einfach nur noch easy und gemuetlich haben. Wir sind so erleichtert und locker drauf, dass uns nicht mal mehr La Paz in der Rush Hour aus der Ruhe bringt. Auch den Mautstellen-Bescheisser sind wir wohl zu cool, denn sie probieren kein einziges Mal mehr, uns uebers Ohr zu hauen. Wir sind so locker, dass wir mehr ueber die Strasse schweben, als fahren. Doch schon kurz spaeter werden wir wieder knallhart auf den Boden der Realitaet zurueckgeholt. Am schmalsten Punkt des Titicacasees, muessen wir mit einer Faehre ca. 1 km uebersetzen. Gut, Faehre ist ein bisschen uebertrieben. Es ist eine schlammpig zusammengezimmerte Nussschale, die unter unserem Gewicht aechzt und stoehnt, als haette ihre letzte Stunde geschlagen. Wir tanzen auf den, doch ziemlich grossen Wellen, auf und ab, dass wir beide schon aussteigen, um im Fall der Faelle gleich losschwimmen zu koennen. Pass und alle wichtigen Unterlagen schoen in den Kleidern verstaut. Doch auch dieses "kleine" Abenteuer, ueberstehen wir dank Rexona, ohne Schweissflecken unter den Armen. Bald darauf erreichen wir Copacabana. Nein, nicht Bikini, Caipirinha und Samba. Copacabana am Titicacasee in Bolivien, wos in der Nacht schweinekalt wird, und das Wasser in den Duschen bestenfalls nicht eisig ist. Von dort aus machen wir einen Ausflug zur Isla del Sol, der Geburtstaette der Inkas. Wer jetzt meint, man saehe irgendetwas Ueberwaeltigendes, oder bekomme irgendwie Infos ueber diesen Ort, hat sich getaeuscht. Die schoenen Eintrittszettel, fuer die wir bei 3 verschiedenen Doerfchen zahlen muessen, enthalten einfach die Benuetzung der Strasse! Als wir mal nach Infos fragen heissts bloss: "Ich bin nur hier um Strassengebuehr einzutreiben". Nach einer 4-stuendigenden Wanderung auf 4100 Meter ueber Meer, haben wir auch die Kraft und den Atem nicht mehr, um da gross was zu reissen. Also gehen wir muede zum Boot und haken die Isla del Sol unvollstaendig ab. Tags darauf gehts ueber die Grenze nach Peru, auch hier gibts wieder ein paar Diskussionen, ein paar Bolivianos muessen "gespendet" werden, und dem peruanischen Zoellner muss ich etwa 15 Mal erklaeren, dass Suiza und Switzerland dasselbe ist. In Puno "goennen" wir uns dann wieder mal ein Hotel. Nein, nicht weil wir verweichlicht sind, nicht weil es in der Nacht fast minus 10 Grad wird und auch nicht, weil wir nach 5 Monaten wieder mal fernsehen wollen. Ganz einfach, weil wir nach einem ganzen Tag suchen keinen einigermassen sicheren Stellplatz gefunden haben. Aber ganz ehrlich, es ist schon geil, sich mal wieder im Stehen anzuziehen, ein eigenes Bad mit warmer Dusche sein Eigen zu nennen und die Simpsons auf Spanisch zu schauen. Von Puno aus besuchen wir die schwimmenden Inseln der Uros. Dieses Volk ist vor vielen hundert Jahren vor den spanischen Eroberern auf den Titicacasee gefluechtet und lebt seitdem auf ihren, aus Schilf und Lehm gebauten, Inseln. Alle 3-4 Wochen muessen sie oben eine neue Schicht Schlif nachlegen, um den verwesenden, alten Teil zu ueberdecken. Es ist schon ein komisches Bild, wenn du auf den einfachen Strohdaechern Solarpanels siehst und in den Huetten kleine Fernseher entdeckst. Aber auch diese Leute haben ein Recht auf Fortschritt, obwohl es einigen Touristen lieber waere, sie wuerden noch wie vor 500 Jahren leben. Das ganze Leben dieses Volkes spielt sich auf dem Wasser ab. Schon die Kleinsten rudern mit ihrem eigenen Boot zur Schule auf der Hauptinsel. Und wenns einem Mal nicht mehr passt, Anker lichten und sich einfach irgendwo anders hintreiben lassen. Nachbarschaftststreit - kein Thema. Danach besuchen wir noch die Isla Taquile, wo die strickenden Maenner leben. Anhand ihrer, mehr oder weniger gut, gestrickten Huete, kann man ihren sozialen Status innerhalb der Gemeinde erkennen. Auch hier haben sie sich mit den Touristen abgefunden, die sie wie Tiere im Zoo, bei jeder ihrer Bewegungen fotografieren. Es ist schon unverschaemt, wie wir Touris uns teilweise benehmen. Da werden den Einheimischen die Kameras wenige Zentimeter vor den Kopf gehalten, um ein moeglichst gutes Bild zu machen. Ohne zu fragen, ohne Respekt zu zeigen. Wir haben Eintritt bezahlt, also macht was wir wollen!!! Wir probieren uns so gut es geht von dieser Masse abzusetzen, fragen ob wir Fotos machen duerfen, kaufen dafuer auch etwas von ihnen. Und wenn sie sagen sie wollen nicht fotografiert werden, respektieren wir das.

Meine Lieblingsmotive sind die Kinder... versuche immer von einem Versteck oder sehr unauffaellig meine Fotos zu schiessen. Wenns nicht geht, frage ich sie um Erlaubnis oder gebe ihnen ein kleines Mitbringsel.

Peru: Uros & Isla Taquile