04.06.2009

Uyuni - La Paz

Los gehts wieder einmal ueber 220km Schotter, aber das sollte nun (gem. Karte) der letzte nicht asphaltierte Abschnitt unserer Suedamerika-Reise sein. Muesst euch also mein Gejammer nicht mehr laenger anhoeren. Und nochmal gehts ein bisschen hoeher, ins auf 4070 Meter ueber Meer gelegene Potosí, der hoechstgelegenen Stadt der Welt. Die wunderschoene Stadt ist schon seit Jahren Teil des UNESCO Weltkulturerbe. Das deutsche Ehepaar, welches wir kennenlernen, laesst aber kein gutes Haar an Potosí. Schmutzig, laermig, unfreundlich... und sowieso ist ganz Suedamerika ein einziges Drecksloch. Sorry, wieso seid ihr hier? Habt ihr gedacht, es sei wie in Bayern? Irgendwie bekommen wir den Eindruck, dass unsere noerdlichen Nachbarn immer nur am noergeln sind. Dass ist uns schon bei anderen Reisebekanntschaften aufgefallen. Bin abgeschweift, sorry. Zuerueck zu Potosí. Uns hats gefallen, ist eine nette Stadt, mit unzaehligen, schoen renovierten Kirchen und einer sauberen, gemuetlichen Plaza zum Ausruhen und das kunterbunte Treiben zu beobachten. Vom Paris-Hilton-Fan bis zur Indigena in traditioneller Tracht, vom Hugo Boss eingekleideten Yuppie bis zum schmutzigen Bergbauern, mit einem riesigen Holzbuendel am Ruecken, hasten hier alle kreuz und quer durcheinander. Auf dem lokalen Markt kaufen wir uns ein Saeckchen Cocablaetter gegen die Hoehenkrankheit. (Nein, nichts illegales, keine Drogen, einfach Pflanzenblaetter! Nicht, dass ihr noch eine schlechte Meinung von uns habt.) Zuerst muss man den Stiel von dem Blatt trennen, danach das bittere Zeug mindestens 45 Minuten in der Backe "einspeicheln". Hilft gegen Hunger, Muedigkeit und die gefaehrliche Hoehenkrankheit. Ok, Hunger hast du keinen mehr, weil dir naemlich von dem Zeug speiuebel wird, aber ansonsten merkst du ueberhaupt nichts. Eh, machen wir halt Tee draus. Weiter gehts dann nach Sucre, in die weisse Stadt, wo alle ihre Haeuser schoen weiss gestrichen haben. Hier ist es so wunderschoen, man koennte meinen, man sei in einem alten spanischen Staedtchen. Lonely Planet sei dank, finden wir ein unglaublich nettes Café, hoch ueber der Stadt, wo wir einen super Ueberblick haben. Dazu noch einen Liegestuhl, Sonnenschein, leckere Spaghetti und ein kuehles Bierchen... was will man mehr. Eifersuechtig??? So solls sein! Hehehehehehe.... Am naechsten Tag, auf dem Rueckweg nach Potosí, ist dann wieder Strassenmaut faellig. Doch die Jungs kennen uns schon vom Hinweg. Sie begruessen uns laechelnd und schuetteln uns die Hand. Nichts mehr mit bescheissen. Das wird erst bei der naechsten Station faellig. Dort will der Polizist Kohle, weil er in unsere Paesse geschaut hat. "Gibts nicht", hallts aus unseren Muendern. Ein verwunderter Blick ueber unsere Dreistheit, dann werden wir mit einer abschaetzigen Handbewegung zum Teufel gejagt. Nix gezahlt. Bei der naechsten Mautstelle: Angeschrieben 10, verlangt werden 20, plus noch 10 Bolivianos "Schreibgebuehr". Etliche Minuten spaeter, selbe Handbewegung, aber gezahlt haben wir das Richtige. Naechste Mautstelle: "5 Bolivianos Transitgebuehr", fluestert mir der Polizist ins Ohr. Leider hat er das in mein "taubes" Ohr gefluestert, also fahren wir freundlich winkend einfach weiter. Er hampelt zwar noch ein bisschen vor seinem Haeuschen rum, aber bis jetzt sind wir noch nicht im Knast, also wars wohl nicht so schlimm. Die naechste Mautstelle sieht so schaebig aus, da fahren wir grad durch. Nicht, dass ihr es falsch versteht, wir haben schon an der ersten Station den vollen Betrag fuer die ganze Strecke gezahlt, aber die Zwischenstationen wollen dann auch immer noch absahnen. Und irgendwann hast du die Schnauze voll, den Beamten noch Geld zu "schenken". Da geben wir unsere Bolivianos lieber den verschmutzten Einheimischen, die um ihren Lebensunterhalt kaempfen. So wie die vielen Landarbeiter, die vollbepackt am Strassenrand sitzen und soblad sie uns sehen, wie von der Tarantel gestochen aufspringen und mit dem Arm rudernd auf die Strasse stehen. Ist lange gegangen bis wirs gemerkt haben, aber die meinen immer, wir seien eins der Sammeltaxis, die hier massenhaft rumfahren. Die sehen uns von Weitem zum Verwechseln aehnlich. Sorry liebe Bolivianos, aber fuer eine ganze Familie mit Sack und Pack, plus noch ein totes Schaf obendrauf, reicht unser Platz echt nicht. Die Einfahrt nach La Paz ist dann Horror pur. Eine Millionenstadt, gebaut auf steil abfallenden Bergflanken, unglaublich. Der Verkehr ist moerderisch. Dauergehupe, Geschreie, Fuessgaenger, Autos, Toeffli alles kreuz und quer, drunter und drueber. Der Polizist mit der Trillerpfeiffe mittendrin, traegt hoechstens was zum Laermpegel bei. Auf sein Gewinke und Getrillere hoert hier kein Mensch. Wenigstens fallen wir mit Rusty zwischen all den Minibussen nicht auf. Also "schwimmen" wir hupend und Blut schwitzend, mit dem Strom durch La Paz und gute 45 min. spaeter, schliessen sich hinter uns die Garagentore des wunderschoenen Hotel Oberland. Wir habens geschafft. Der erste Blick auf La Paz ist unglaublich. So was haben wir noch nie gesehen. Die riesige Stadt ist richtig in die umliegenden Berge reingehauen worden. Ein total surreales Bild!
Fotos siehe unter Bilder: Ordner "Bolivien 2. Teil"