25.06.2009

Ueber Umwege nach Cusco

Vom Cañón del Colca gehts 2500 Meter nach oben, ueber den Paso Alto, Richtung Cusco. Rusty "schnadelet" sich im 2. Gang die unzaehligen Serpentinen hoch. Auch wir beide spueren die 4800 Meter ueber Meer, aber zum Glueck haben wir uns gut anklimatisiert. Die naechste eiskalte Nacht verbringen wir schoen versteckt in einem Steinbruch, unmittelbar an der Strasse nach Cusco. Seit gut einem Monat schlafen wir jetzt fast jede Nacht in Thermo-Unterwaesche und Wollsocken. Tagsueber ist es wunderbar warm, aber sobald die Sonne untergeht, wirds sofort unter Null Grad. Ja Leute, wir haben Winter hier! Schon beim Z'morge faellt uns auf, dass die Strasse neben der wir schlafen, kaum mehr befahren wird. Nach ein paar Kilometer Fahrt wissen wir dann auch wieso. Felsbrocken auf den Strassen, brennende Reifen und demonstrierende Bauern. Das Wasser hier in der Gegend wurde verstaatlicht, nun sollte jeder Bauer fuer das klare Gold bezahlen - sogar fuer das Regenwasser, stellt euch das mal vor! Kein Wunder sind die Campesinos hier so sauer, wir haben volles Verstaendnis fuer sie. Leider haben sie genau "unsere" Strasse blockiert, und es kann uns keiner sagen, wie lange die Blockade dauern wird. "Wenn ihr nach Cusco wollt, habt ihr nur eine Moeglichkeit, dort ueber die Berge", erklaert uns ein Polizist. Auf dem Ding, dem eher einem Geissentrampelpfad aehnelt als einer Strasse, begegnen wir dann Ricardo auf seinem Motorrad. Wir fragen ihn, wie es denn zu fahren sei und wo wir ueberhaupt durchfahren muessten. Kurzerhand zeichnet er uns ein wunderbares Kroki mit allen wichtigen Kreuzungen, Strassen und sogar noch die Adressen und Telefonnummern seiner Amigos, die Automechaniker und Polizisten sind. Was sich spaeter als sehr nuetzlich rausstellte. Er ist fast 700 Kilometer unterwegs, nur um 1 Nacht mit seiner Freundin zu verbringen. Das nenn ich einen Latinlover!!! Zum Dank fuer seine Hilfe, schenken wir ihm unsere letzte Flasche Weisswein, und hoffen, dass die Nacht fuer ihn unvergesslich sein wird. Stundenlang klettern wir dann auf verlassenen Wegen die Berge hoch. Die Gegend hier ist unglaublich schoen. In einem kleinen Doerfchen fahren wir dann ganz unverhofft mitten in eine grosse Strassenparade. Hunderte Kinder in ihren traditionellen Dorftrachten tanzen singend durch die engen Gassen Richtung Placa. Das koennen wir uns nicht entgehen lassen. Als wir staunend mitten in der Menschenschar stehen, werden wir ploetzlich erkannt. Touristas! Und schon sind wir vom Zuschauer zum Dorfspektakel geworden. Unzaehlige Kinder stehen um Katja rum, wollen ein Foto mit ihr, geben ihr die Trachten und Huete zum Anziehen und loechern sie mit 1000 Fragen. Es ist herrlich, wie neugierig und unverdorben die Leute hier oben, weitab vom Touristenstrom, noch sind. Zwei Stunden spaeter muessen wir fast kaempfen, um der neugierigen Menge zu entkommen und unsere Fahrt ueber die Feldwege Richtung Cusco fortzusetzen. Aber die laechelnden neugierigen Kinder werden wir so schnell nicht vergessen.