14.03.2009

Mendoza by bus

Wir habens nochmals getan ;-) ............................................................ wir sind ins Fitnessstudio gegangen (hehehe habt schon gedacht?!?). Die kiloweise Schokolade und das schlechte Gewissen haben uns dorthin getrieben. Aufgepumpt und frisch geduscht wollen wir einbisschen Mendoza bei Nacht erkunden. Wir verabschieden uns freundlich vom Fitness-Fraeulein, die aussieht wie eine Parodie von Supergirl. Strohblonde Haare, solariumgebraeunte Lederhaut, Michael Jacksons Nase... und das Fett in ihren Lippen und in ihrem Vorbau wurde wohl vorher aus ihrem Hinterteil abgesaugt. "Wo wollt ihr jetzt hin?" ruft sie uns nach. "Einbisschen durch die Strassen bummeln." "Oh, ganz schlechte Idee. Hier werden dauernd Touristen die Taschen weggerissen. Passt bloss auf euch auf! Haltet die Tasche fest, versteckt das Geld, traut niemandem." Unser Uebermut weicht langsam einem mulmig, aengstlichen Gefuehl. Ist das wirklich so schlimm hier? Das Geld, dass wir vor dem Training rausgelassen haben, verstecken wir als Einlagesohle in Katja's Turnschuhen. Alles verstaut, Tasche festgeschnallt, dreimal tief durchgeatmet, wagen wir uns in den Grossstadtdschungel hinaus. Wie 2 Luchse auf der Jagd bewegen wir uns geschmeidig durch die Masse von potenziellen Raeuber, Wegreisser und Schwerverbrecher. Katja's Adlerauge entgeht nicht die kleinste Bewegung. Mein www.hasler-gerueste.ch Kugelschreiber (erkennt ihr die Schleichwerbung?) liegt in der Hand bereit, um jedem der uns zu nahe kommt, killermaessig in die Halsschlagader gerammt zu werden. Doch niemand kommt uns zu nahe, wir werden nicht mal richtig beachtet. Fast schon enttaeuscht, dass uns niemand behelligen will, gehen wir zur Bushaltestelle und warten auf unseren Bus. Zuerst noch lange die Einzigen, gesellen sich nun nach und nach immer mehr Gruppen von Teenagern zu uns. Hier wird heimlich geraucht, da wird getuschelt und gekichert. Unser Campingplatz liegt genau auf der Route zu Mendozas Kinderdisco! Der erste Bus faehrt durch, vollgestopft mit pubertierenden, foenfrisierten Teenies. Als der Zweite auch ohne nur abzubremsen an uns vorbeirauscht, kommt Kat auf die Idee der Ideen. Wir gehen einfach auf die andere Strassenseite, fahren die Runde durch die Stadt und sind dann die Ersten im Bus. Toent doch einlaeuchtend, oder? Siehe da, kaum drueben kommt schon der Bus. Wir huepfen rein. "Wo wollt ihr hin?", toents vom Fahrersitz. "Camping Suizo", gebe ich zurueck. "Raus hier, wollt wohl ne Stadtrundfahrt machen? 3 Strassen weiter koennt ihr einsteigen." "Warum musst du immer so verdammt ehrlich sein", schnauzt mich Kaeteli an. "Weil Ehrlichkeit am laengsten waehrt." Aber mit NIX VERSTEHEN kommt man definitiv weiter, muss ich ihr kleinlaut zugestehen. 3 Strassen weiter und ungefaehr 1 Stunde spaeter kommt endlich wieder mal ein Bus fuer uns. Egal was passiert: "NIX VERSTEHEN". Kaeteli, frech wie immer, ist natuerlich die Erste, die in den Bus reinhuepft. Der lahme Trueberbueb ist wieder mal der Letzte in der Schlange. Da dem Chauffeur alles zu langsam geht, faehrt der Bus schon los, als ich noch halb auf dem Trottoir stehe. Es wird raketenmaessig beschlaeunigt, um dann 30 m weiter bei der roten Ampel wieder voll abzubremsen. Ist echt eine Herausforderung, bei voller Rumpelfahrt, die kleinen Muenzen in den noch kleineren Schlitz des Ticketautomaten zu kriegen. Es wird gerast was das Zeug haelt - unglaublich! Die Gaenge werden reingehauen, dass du bei jedem Gangwechsel Angst hast ein Schleudertrauma zu bekommen. Langsam geht uns ein Licht auf. Die Jungs werden wohl nicht nach Stunden, sondern nach gefahrenen Runden bezahlt, desshalb gehts hier so raellymaessig zur Sache. Soll uns recht sein, so kommen wir schneller nach Hause. Doch komischerweise werden die Strassennamen immer unbekannter und die Belaeuchtung draussen immer wie spaerlicher. Der Bus beginnt sich langsam zu leeren, bis nur noch wir 2, wie veraengstigte Erstklaessler am ersten Schultag, auf der hintersten Sitzreihe uebrig bleiben. Mit einem Ruck haelt der Bus an: "Endstation, alles aussteigen!" Ein Blick aus dem Fenster laesst die 2 Luchse von vorhin zu handzahmen Stubenkaetzchen werden. Wir sind mitten im schlimmsten Ghetto gelandet. Zu allem Ueberfluss hocken wir im hell belaeuchteten Bus wie auf dem Praesentierteller fuer jeden Dieb und Taugenichts. "Raus hier, ich habe Feierabend", toents nochmals von vorne. "NIX VERSTEHEN, Camping Suizo." Der Chauffeur hat zum Glueck erbarmen mit uns und liefert uns wie 2 verlorene Gepaeckstuecke beim Nachtwaechter am Busterminal ab. Frei uebersetzt sagt er ihm etwa: Julio, schmeiss die 2 Gringos in den naechsten 115er Bus und der soll sie beim Campingplatz abladen. Die haben echt keinen Plan was hier abgeht. 2 Min. spaeter sitzen wir schon wieder im naechsten Bus und koennen einbisschen aufatmen. "Jetzt kommts gut." Der Teeniestrom von vorhin ist immer noch nicht abgerissen und schon nach wenigen Stationen ist der Bus so voll, dass gar nicht mehr angehalten wird. Um uns herum wird gesungen und gejohlt und die Stimmung ist ziemlich ausgelassen. Ploetzlich haelt der Bus an und es wird schlagartig still. Gemurmel, fragende Blicke, dann: "Von wo seid ihr?" "Suiza." "Euer Campingplatz, raus hier!" Schon stehen wir auf der Strasse und das "Gringo" Gebruell und Gelaechter wird im wegfahrenden Bus immer schwaecher. "Shit, das ist gar nicht unser Campingplatz. Wir muessen noch ca. 3km weiter." Der Bus faehrt eine Schleife und wir koennten eigentlich wieder einsteigen. Doch wir haben beide absolut keinen Bock uns die 100 Teenies und ihr Gelaechter nochmals anzutun. Also ab in die Buesche, bis der Bus vorbei ist. Unser Rueckweg fuehrt uns an der Riesendisco vorbei, wo all die Kids hin wollten. Tausende von den herausgeputzten, schoen Gelfrisierten stehen vor der Tuere an. Auf der anderen Strassenseite stehen die Eltern, die sie mit ihren Autos zur Disco gebracht haben, und sehen sich das Spektakel mit gemischten Gefuehlen an. Besonders faellt uns eine Mutter auf, die mit glaenzenden Augen zu Katja rueberschaut und kopfschuettelnd um die Jungfraeulichkeit ihrer Tochter bangt. Im Camping gibts noch nen kleinen Mitternachtssnack, danach faellt Katja schlagartig in einen Tiefschlaf. Ich ueberlege mir immer noch, wie ich den Kugelschreiber am besten in den Hals des Raeubers stosse und muss dann aber feststellen, zum Glueck sind wir heil zu Hause angekommen.