05.04.2009

Florianópolis wir kommen

Grenzuebertritt nach Brasilien und schon erfasst dich die lockere und relaxte Art der Brasilianer. Alles easy, Formular falsch ausgefuellt, kein Problem. Und sowieso: ¨Passt schon¨. Coole Sache, doch das Portugiesisch ist eine Sprache fuer sich. Wir verstehen einfach nichts, nada und noch weniger... aber mit Haenden und Fuessen und einem freundlichen Laecheln auf beiden Seiten gelingt die Kommunikation immer. Wir koennen uns gar nicht vorstellen, dass es hier so gefaehrlich sein soll. Die Leute sind so hilfsbereit, lustig und lebensfroh, es ist einfach ansteckend. Trotzdem gehen wir beim Geld rauslassen ¨Geheimdienst-maessig¨ vor. Zuerst Lage abchecken: Verdaechtiger Typ mit Natel beim Laternenpfahl, Zigarettenraucher mit Gangstervisage links neben dem Eingang, das harmlos wirkende Grosi mit der komischen Tasche koennte auch dazugehoeren?!? Wollen wirs trotzdem wagen? Ok, los gehts. Ich raus aus der Karre und geradewegs rein in die Bank. Katja als Rueckendeckung im Auto, um bei Gefahr als Fluchtwagenfahrer dahergeschossen zu kommen. Beim Geld rauslassen dann immer schoen den Kopf schuetteln und die Haende verwerfen. Dabei die Kohle unauffaellig in den Unterhosen verschwinden lassen. Beim Rausgehen weiter den Kopf schuetteln und laut fluchend, (das versteht hier sogar auf Berndeutsch jeder), gestikulieren, dass KEINE Moneten rausgekommen sind. Katja muss dann auch noch kurz den Kopf schuetteln und fluchen, dann ab durch die Mitte. Und jeder Gangster wird schoen verarscht. (Hoffen wir wenigstens.) Aber in Hollywood haette es fuer diese schauspielerische Leistung bestimmt einen Oscar gegeben. Danke fuer den Applaus... Was hier aber echt kriminell ist, sind die Autofahrer. Wenn dich einer ueberholt und du denkst: ¨Mann war das knapp¨, kommt meistens noch ein zweiter hinterher und draengt sich rein. Langsam gewoehnen wir uns aber daran, dass sie dir beim ueberholen zuerst fast hinten ins Schlafzimmer rein fahren, um dann beim vorne einbiegen beinahe den Kotfluegel abzurasieren. Nur bei den 40 Toennern, die dich um ein Haar von der Strasse schieben, kriegen wir noch ein leichtes kribbeln. Als es dann beginnt einzudunkeln, ist es uns definitiv zu gefaehrlich, weg von der Strasse, ab auf die Autobahnraststaette zum Pennen. Wie einen Grossen, parkieren wir Klein-Rusty zwischen den riesigen Road Trains. Katja ist beim Gedanken, die einzige Frau hier zu sein, nicht so wohl, also greift sie beim Gang zur Toilette zu Trick 77. Haare hochgesteckt, Basebalcap tief ins Gesicht gezogen, und mit einem moeglichst ¨maennlichen¨ Schritt, (sieht bei ihr aus wie ein Cowboy nach einem 1000km Ritt), geht sie neben mir Richtung Klo. Kurz vor dem Eingang ein Schritt nach rechts und sofort rein beim Roeckchen Symbol. Spaetestens jetzt merkt auch der letzte Brummi-Fahrer, dass diesem Cowboy das Roehrchen in der Hose fehlt. Sicher zuerueck im Bus, traut Kat der Sache immer noch nicht so recht und sie seufzt: ¨Ich werde bestimmt nicht schlafen koennen, werde die ganze Nacht die schraegen Typen im Auge behalten.¨ Gut, denke ich mir, bei so einem scharfen Wachhund kann ich ja beruhigt schlafen. Komischerweise schnarcht Brutus neben mir aber schon nach 5 Min. gemuetlich vor sich hin, um mir dann am naechsten Morgen grossartig zu berichten: ¨War ne ruhige Nacht, alles OK¨. Weiter gehts dann durchs Hinterland Richtung Blumenau. Landwirtschaftliche Flaechen und Dschungel loesen sich hier staendig ab. Und alles wunderschoen eingebettet in eine huegelige Landschaft wie im Emmental. Da bekommt man fast Heimatgefuehle... der Hammer!!! Haetten uns nie vorstellen koennen, dass es in Brasilien auch so aussehen kann. Endlich in Blumenau angekommen, schlafen wir auf dem Gelaende der oertlichen Pfadi. Da fast alle hier Deutsche Vorfahren haben, koennen wir locker mit ihnen Deutsch sprechen. Tut gut, sich mal wieder ohne gross zu ueberlegen und nach Worten zu suchen, mit jemandem zu unterhalten. Zu unserem Schrecken droehnt es ab 22.00 Uhr von nebenan wieder: TECHNO TECHNO TECHNO. Doch die lange Autofahrt und die leere Flasche Rotwein auf dem Tisch, lassen uns ohne Probleme ins Land der Traeume gleiten... und vom Jodeln und Schweizeroergeli traeumen.