02.03.2009

Carretera, Teil II

So, jetzt haben wir uns in Coyhaique, bei Roberto dem Bastler, 3 Tage auf dem Campingplatz erholt. Haben massenhaft leckere Backwaren vertilgt, ja ja, die deutschen Vorfahren kann hier keiner leugnen. Haben Food fuer Wochen eingekauft und unser Mobil wieder einbisschen auf Vordermann gebracht (mal den Luftfilter vom vielen Staub der letzten 1200 km Schotterpiste befreit). Jetzt sind wir bereit fuers zweite Abenteuer in der Wildnis. Los gehts bei verhaltenem Sonnenschein und wir sind guter Dinge, dass es diesmal etwas schoener sein wird. Doch schon nach kurzer Zeit fahren wir in einen regelrechten Wasserfall rein. Es giesst wieder wie aus Kuebelen. Sind schon dabei umzukehren und das Kapitel Carretera endgueltig zu beenden. Doch am Ende siegt mein sturer Aemmitauer-Gring. Was wir begonnen haben, ziehen wir auch durch. Kann sein was will! Aber als wir schon bald darauf den Allrad einschalten muessen, damit wir ueberhaupt noch ueber die schmale, steile Piste im Regenwald kommen und die Baeche nicht mehr neben sondern schon auf und ueber die Schlammpiste fliessen, wirds uns beiden ein ziemlich mulmig. Katja natuerlich mehr als mir, hehehe... Als uns nach unendlich langer Zeit endlich mal ein Pickup entgegenkommt, sind wir total erleichtert. Also ist die Piste doch noch offen... oder hat er es nur dank seines hohen Radstandes durchs Wasser und ueber die Steine geschafft? Werden wir das mit unserem Riesending auch schaffen? Nach stundenlangen Blut schwitzen, Schlagloechern ausweichen, Baechli ueberqueren, fluchen, beten und flehen, erreichen wir doch noch total erschoepft das kleine Doerfchen Puerto Puyhuapi. Vollkommen ausgelaugt, steuern wir beim ersten Haus den Hinterhof an, essen was Kleines und fallen wie die toten Fliegen ins Bett. Am naechsten Morgen weckt uns die Sonne! Kann das sein? Traeumen wir? Wussten gar nicht mehr wie sich die warmen Strahlen auf der Haut anfuehlen. Total motiviert huepfen wir ins Auto und brausen los... doch schon ein paar Kilometer weiter folgt der naechste Daempfer. Strasse zu bis 14.00! Zum Glueck ist ja schon 11.00, die Sonne scheint und wir haben maaaassenhaft Zeit. Also pflanzen wir uns an den Strassenrand, Stuehle und Buecher raus, Food auf den Tisch und lassen uns die Sonne auf den Pelz brennen. Die Quittung folgt am naechsten Tag. Mein Huehnerbruestli ist rot wie die Schweizer Fahne und meine Stirn sieht aus als haette mir Kaeteli ein Brett vor den Latz gehauen. Nun haben wir das schoenste Wetter, aber ich muss im Schatten bleiben. Die Dummen haben wohl trotz allem nicht immer Glueck. Eh, wenigstens haben wir uns mit der Carretera versoehnt. Haben die wunderbarsten Schlafplaetze der ganzen Ferien... bis jetzt. Auf einer Alp, inmitten von Kuehen, Schafen, Pferden und Geissen, umgeben von riesigen Bergen mit schneeweissen Gletschern. Oder am fantastischen Rio Futaluefu, der so tuerkisblau schimmert wie die Augen einer schoenen Frau... merkt euch das fuer den naechsten Liebesbrief (vorausgesetzt sie hat wirklich blaue Augen, besser zuerst nachschauen). Wir haben auch noch Emilio kennengelernt. Ein Lachszuechter, dessen Auto auf dem nach-Hause-Weg zu seiner Signora den Geist aufgegeben hat. Also haben wir ihn gleich vom Strassenrand aus mitgenommen. War ein lustiger kleiner Kerl. Haben ihm einen Farmerstengel angeboten. Nach langem zoegern, begutachten und ueberlegen, hat er dann doch einen Bissen von dem komischen Ding probiert. Werden sein Gesicht nie mehr vergessen. "Schmeckts?"
"Si Si", aber sein Gesicht sagte: "Wollt ihr mich umbrigen?" Vorallem als das Zeugs nach 10 Min. immer noch an seinen Zaehnen klebte und er so komisch am wuergen war, sind wir fast draufgegengen vor lachen. Er hat die andere Haelfte des Stengels auf jeden Fall diskret in seiner Jackentasche verschwinden lassen. Die letzte Nacht in der Wildnis verbrachten wir an einem kleinen, niedlichen Bergsee, wo wir sogar ein Kajak hatten. Ich also total uebermuetig rein in das Ding und auf der anderen Seite gleich ins eiskalte Wasser... und ich meine wirklich EISKALT! Nach Atem ringend halte ich mich mit einer Hand am Steg fest und mit der anderen versuche ich das unhandliche Schwimmding vor dem untergehen zu retten. Ich krampfe mir hier einen ab und Kaeteli sitzt nebendran und macht sich fast in die Hosen vor lachen. "Also, mal schauen, ob du dich besser anstellst?!" Verdammt, zu meinem Aerger stellt sie sich nicht mal halb so doof an wie ich und paddelt wie ein Profi ein paar Runden im See. Und um mir dann nochmals einen reinzudruecken, geht sie seelenruhig ins eiskalte Wasser baden. "Aaah, wie erfrischend". Dass Frauen von Natur aus einen hoeheren Koerperfettanteil haben als Maenner und deshalb besser "isoliert" sind, erwaehne ich als Gentleman natuerlich nicht... ja ja, muss immer das letzte Wort haben.

Waehrend ich diese Zeilen an einem kleinen Fluesschen im argentinischen Hinterland aufsetzte, hoerten wir ploetzlich einen riesen Laerm im Gebuesch. Mano, da kommen 2 riesen Stiere aus dem Unterholz auf uns zugerannt. "Los Katja, weg hier". Doch als ich mich umblicke ist die Kleine schon halb auf dem naechsten Baum. Ich bleibe wie angewurzelt stehen. Natuerlich nicht aus Angst, sondern weil ich Katja beschuetzen will... rede ich mir wenigstens ein. Ploetzlich bemerken uns die Viecher auch und stehen voll in die Bremse. Eine Situation wie im Pistolenduell. Wer macht die naechste Bewegung? "Muuh" und die 2 trotten seelenruhig an uns vorbei ins Wasser. Haben uns wohl auf ihrem Trampelpfad niedergelassen. "Kaeteli, chasch abecho!". Ein kurzer Blick in die Augen und wir muessen losbruellen vor Lachen. Welcher Schweizer hat Angst vor einer Kuh???

Carretera Austral (Teil2)