14.04.2009
Die Wahrheit uebers Surfen
Erste Surfstunde und wir beide sind ziemlich kribbelig. Wie wirds gehen? Wie stellen wir uns an? Und bitte bitte bitte, ich muss es besser koennen als Katja, dass ist meine groesste Sorge. OK, rein in die Surfschule. Consaga, unser Lehrer macht den Eindruck eines echt serioesen Sportlers. Nicht so, wie (die von uns getauften) Siffbirne Nr.1 und Siffbirne Nr.2, die den ganzen Tag nur im Shop rumhaengen und einen auf cool machen. Doch zu unserem Erstaunen sind die 2 Siffbirnen die Oberprofis, dass konnten wir sogar in einem Kite-Surf Magazin nachlesen. Eh, trotz allem, fuer uns sind es Siffbirne 1+2. Los gehts dann mit der ersten Stunde - mit yogamaessigem Aufwaermen und laaaangem einatmen und ausatmen, ein- und ausatmen. Hallo, ich will SURFEN lernen. Als wird dann irgendwann mal fertig ein- und ausgeatmet haben, gehts endlich mit ein paar Trockenuebeungen los. Consaga, der eigentlich nur portugiesisch spricht, erklaert uns wies geht: front on de bort, luk at de bich, paedel, paedel, paedel, priper, go!, (so toente etwa sein Mix aus portugiesisch und englisch). Nach ewigen Trockenversuchen sind wir dann ready, um ins Wasser zu gehen. Nervoes warten wir auf die erste Welle, dann: paedel, paedel, faest paedel, luk at de bich, priper, go. Ein kleiner Schubs vom Chef und ab gehts auf der Welle bis zum Strand und Katja nebendran dasselbe. Ou yeah, uns schweizer Snowboarder muss ja keiner was erzaehlen. Ein Laecheln vom Lehrer, Daumen hoch und wir beide strahlen ueber beide Backen. Da stoert es uns auch nicht mehr gross, dass er auch nach x-maligem Vorstellen, unsere Namen immer noch nicht kennt. Katja ist bloss: "Hey you" und ich bin "Hey män". Nach der ersten Surflektion sind wir voller Stolz ueber unser Talent, wenns so weitergeht, sind wir schon bald Profis. Gleich vorneweg... es geht nicht so weiter! Mit stolzgeschwellter Brust gehts am naechsten Tag den Strand entlang. Ok, dass Consaga dann mit dem Finger 2 Boards in den Sand malt und wir unsere Trockenuebungen wie 2 Kleinkinder, inmitten aller Touristen, im Sand machen muessen, schmaelert unsere Coolness doch ein bisschen. Aber was solls, auf dem Wasser ist was zaehlt! Alleine die Welle anpaddeln, vorbereiten, aufstehen... und die Welle ist vorbei. Das gibts doch nicht, was war falsch? Dann halt zweiter Versuch, und denk dran: paddeln, paddeln, Welle im Auge behalten, paddeln, Blick Richtung Strand, dann aufstehen... und auch diese Welle umspuehlt gemuetlich unser Board und laesst uns wie 2 tote Fische, Bauch nach oben, im Wasser schwimmen. Versuch Nr. 3-300 (vielleicht etwas uebertrieben) sind auch nicht viel besser. Ein Blick zu den anderen Anfaengern demuetigt uns dann noch mehr. So ziemlich jeder kann, wenn ihm der Surflehrer einen Schubs gibt, die Welle reiten. Zumal unsere Boards so gross sind, dass darauf eine ganze Elefantenherde schwimmen koennte. Mit haengenden Schultern und eingezogenem Schwanz (ich jedenfalls), schlarpen wir nach der zweiten Lektion zum Campingplatz zuerueck. Nichts mit easy surfing. Ein langer und harter Weg steht uns bevor. Nach ein paar mehr oder weniger erfolgreichen Surflektionen, wagen wir uns mal selber aufs Meer raus. Paedel, paedel, paedel, Welle vorbei. Paedel, paedel, paedel, du bist zu spaet, es ueberschlaegt dich und knallt dich kopfvoran in den Sand. Ok, wieder raus, naechster Versuch. Warten, warten, warten. Endlich mal eine passende Welle, mit knapper Not schaffen wir ein paar Meter auf dem Board, dann platsch ins Wasser. Jetzt kommen die Wellen aber riesig (finden wir jedenfalls), also sofort wieder raus, die muessen wir nehmen. 5 Meter vorwaerts Richtung Meer, dann spuelt es dich wieder 3 Meter zurueck an den Strand. Als wir uns endlich mit Mueh und Not durch die tosende Flut nach draussen gekaempft haben, herrscht wieder Flaute. Keine Welle weit und breit, es ist wieder warten angesagt. Dann gehts etwa so weiter: Welle im Anmarsch, shit falsche Position auf dem Brett. Naechste Welle, Profi schneidet dir den Weg ab und hat natuerlich Vortritt. Naechste Welle, fettes Nilpferd ist direkt vor dir am planschen, also Platz wechseln. Es gibt ungefaehr 1 Million Sachen, die beim Surfen stimmen muessen, damit es auch klappt. Trotz allem: Auch wenn du 10 Minuten wartest und nur 1 Welle reiten konntest, ist es einfach nur SUPER, du bist total happy und zufrieden!!! PS: Fuer alle, die immer noch der Meinung sind, dass jede Brasilianerin im Stringtanga eine lecker Milchschokolade zum Reinbeissen ist. Und jeder Brasilianer, der obercool mit dem Surfboard am Strand entlang stolziert auch wirklich ein Surfer ist. Wir muessen euch enttaeuschen, dem ist definitiv nicht so! Also freut euch auf den naechsten Urlaub, wo die bierbaeuchigen Maenner und die zu ¨gross¨ geratenen Frauen ihre bleiche Koerperfuelle am Strand zur Schau stellen. Das gibts auch hier, nur eben in Schoggibraun.